Mein Uni-Liga Greifswald

18.05.2016

Gelebte Integration

Das Team Welcome Osnabrück in der Saison 2015

Seit Monaten beschäftigt die Flüchtlingssituation hierzulande unsere Gesellschaft. Auch vor der Gillette Uni-Liga macht diese besondere Lage keinen Halt. Seit einiger Zeit setzt die Uni-Liga Zeichen und engagiert sich aktiv für geflüchtete und zugewanderte Menschen und kooperiert mit verschiedensten Institutionen. Egal ob zur Verfügung gestellte Plätze, teilnehmende Teams oder eigene Veranstaltungen: Das Engagement ist so vielseitig und bunt wie die Liga selbst.

Wenn im Sommer in der Halle gespielt wird

In Düsseldorf stand der Hochschulsport in diesem Jahr vor einer besonderen Herausforderung, denn aufgrund der hohen Zahl der Flüchtlingszuweisungen für die Stadt Düsseldorf bat diese um Anmietung diverser Sportstätten - unter anderem auch die der Heinrich-Heine Universität. Diese sagte der Stadt Unterstützung zu, was zur Folge hatte, dass die Uni-Liga nicht wie seit einigen Jahren auf dem Rasenplatz ausgetragen werden konnte. Eine Generalabsage stand sogar im Raum. In einer Mitteilung verwies der Hochschulsport auf Charakterzüge, die den Sport auszeichnen: "Wir bitten um euer Verständnis und Solidarität gegenüber dieser gesellschaftlichen Situation. Toleranz, Fairness und Teamgeist sind die Attribute, die den Sport so groß machen. Lasst uns diese Werte bewahren." 

Wo der ein oder andere vielleicht Unzufriedenheit über die Situation vermutete, zeigten die Studierenden allerdings Verständnis und Toleranz. Der Hochschulsport schuf ein Alternativangebot und lässt die Sommerliga 2016 in einer Soccerhalle spielen - bei gleicher Resonanz wie in den Vorjahren. "Das Teilnehmerfeld ist unverändert groß und die Studierenden sind mit genau so viel Begeisterung und Spaß bei der Sache wie in den Vorjahren", stellt Felix Klaus vom Hochschulsport Düsseldorf fest.

Welcome Osnabrück schon seit 2015 dabei

Als eine der ersten Ligen, die ein Flüchtlingsteam in ihrer Liga aufnahmen, machte die Gillette Uni-Liga Osnabrück auf sich aufmerksam. Dabei meldete das Projekt "Sport mit Osnabrücker Flüchtlingen" (SmOF) am Institut für Sport-und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück eine Mannschaft mit dem Namen "Welcome Osnabrück", ein gemischtes Team aus Geflüchteten der Erstaufnahmeeinrichtung, Studierenden sowie unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Daniel Wangler, Sportpädagoge, erklärt: „Wir wollen Bewegungs- und Begegnungsräume schaffen. Der gegenseitige Austausch und der Aufbau von Beziehungen ist für uns ein übergeordnetes Ziel." Dies funktionierte in der Vorsaison bereits prächtig. Oft saßen die Spielerinnen und Spieler von Welcome Osnabrück nach ihren Spielen noch mit dem Gegner zusammen oder verbrachten im Allgemeinen viel Zeit am Uni-Liga Spieltag. Ines Weiden, eine der Hauptinitiatioren der Aktion, berichtete, dass die Uni-Liga für die meisten bereits "der Höhepunkt der Woche" war. Ein weiteres Highlight gab es, als Welcome Osnabrück am Ende der Saison von den anderen Teams mit dem Fair Play-Pokal ausgezeichnet wurde.

Auch 2016 ist Welcome Osnabrück wieder mit einer Mannschaft am Start und freut sich Woche für Woche auf die Spiele in der Osnabrücker Uni-Liga. 

connACTION - gelebte Integration in Göttingen

Auch in Göttingen geht in dieser Saison eine Mannschaft an den Start, die sowohl aus Flüchtlingen als auch aus Studierenden besteht. "Ähnlich wie in Osnabrück ist dies wirklich gelebte Integration", erklärt Uni-Liga Gründer Christoph Köchy. "Flüchtlinge spielen nicht separiert in Mannschaften, sondern mit Studierenden oder Flüchtlingshelfern zusammen. Dadurch wird die Integration viel stärker gefördert." Als die Anfrage von connACTION kam, an der Uni-Liga Göttingen teilnehmen zu dürfen, gab es kein langes Überlegen bei der Orga. Auch wurde die Mannschaft bei der Suche nach einem Trikotsatz unterstützt, sodass die connACTION-Initiatoren nun auch voller Vorfreude auf den ersten Spieltag nächste Woche blicken. "Wir sind richtig gespannt, wie sich unser Team schlagen wird!", so connACTION. "Ein Team, das aus Geflüchteten und Studierenden besteht, bei der Uni-Liga aufzustellen, ist etwas ganz Neues, das gab es so bisher noch nie in Göttingen. Deshalb konnte niemand von uns auf große Erfahrungen zurückgreifen und wir mussten spontan und flexibel mit den Projektplanungen umgehen. Da war die aktive Hilfe des Orga-Teams der Uni-Liga bei der Anmeldung, aber auch die Kommunikation im Verlauf der Planungen, eine enorme Unterstützung!"

Kicken gegen Rassismus und ein FIFA-Schiedsrichter in Konstanz

Mahmoud Al-Turki ist seit dieser Saison als FIFA-Schiedsrichter bei der Uni-Liga Konstanz im Einsatz // Foto: Hans-Peter Koch (seemoz)

Im vergangenen Jahr setzte auch der Gillette Uni-Liga Standort Konstanz ein Zeichen und wirkte beim Benefizspiel mit dem Namen "Kicken gegen Rassismus" mit. Gemeinsam mit dem Café Mondial Konstanz e.V.  und der Universität Konstanz engagierte sich auch die Uni-Liga Orga bei dieser Veranstaltung. Im September 2015 nahmen allein fünf Flüchtlings- und zahlreiche gemischte Mannschaften teil. Louise Haitz aus dem AStA-Gleichstellungsreferat der Universität Konstanz erklärt: „Wir dürfen nicht erst anfangen, uns klar gegen Rassismus zu positionieren, wenn Asylheime brennen. Rassismus beginnt, wenn wir Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion oder Herkunft als ‘Fremde’ wahrnehmen und deshalb wegschauen, wenn ihnen elementare Rechte verweigert werden und sie so aus unserer Gemeinschaft ausschließen. Wir wollen mit Bildung und unserem Turnier Grenzen im Kopf abbauen, die aus Europa eine Festung gemacht haben.“

Eine weitere Form der Integration gibt es durch Mahmoud Al-Turki. Der Syrer ist von Beruf geprüfter FIFA Schiedsrichter. Doch der noch immer andauernde Krieg in seiner Heimat zerstörte die Grundlage für ein Leben in Sicherheit, sodass er sich entschied, sein Land zu verlassen. Seit Dezember 2014 ist der 48-jährige nun schon in Konstanz und lebt in einer Gemeinschaftsunterkunft. Seinen Beruf darf er aktuell nicht ausüben - zumindest nicht seiner Qualifikation entsprechend. Als Uni-Liga Schiedsrichter ist er aber seit dieser Saison im Einsatz und kann zumindest so einmal die Woche seiner Passion als Unparteiischer nachgehen. Gleichzeitig kommt er in der offenen Uni-Liga-Atmosphäre auch mit vielen Spielerinnen und Spielern in Kontakt. Und auch Mitorganisator der Uni-Liga Konstanz Uras Ikiz freut sich über "seinen" FIFA-Schiedsrichter: "Wir freuen uns, dass er bei uns seiner Leidenschaft nachgehen kann. Er ist mit sehr viel Freude dabei."

Egal wie: Zeichen setzen

Ganz egal in welcher Form, die Gillette Uni-Liga wird auch in Zukunft versuchen, Zeichen zu setzen und sich aktiv für Flüchtlingsintegration stark zu machen. Denn kein Geringerer als Nelson Mandela erkannte bereits:

"Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Er hat, wie nur wenige Dinge, die Kraft Menschen zu inspirieren, die Kraft sie zu vereinen. Er ist mächtiger als Regierungen, wenn es darum geht Rassenbarrieren niederzureißen."

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